Kleinteile vom laufenden Band

Mit FANUC-gesteuerten INDEX Produktionsdrehautomaten besteht Lohnfertiger Maraschnow selbst gegen Wettbewerb aus China

Die INDEX Drehautomaten C100 und C200 produzieren einfache und komplexe Teile in schnellem Takt. Sie fallen nicht ungeordnet aus der Maschine, sondern werden feinfühlig auf ein Förderband gelegt und ausgeschleust. Maraschnow, Lohnfertiger in Berlin, lobt vor allem die blitzschnelle Synchronisation von Haupt- und Gegenspindel, die durch das perfekte Zusammenspiel der Mechanik der INDEX C100 mit der Hochleistungssteuerung FANUC CNC 31i zustande kommt.

Wenn in großen Fußballstadien Flutlicht benötigt wird, ist die Maraschnow GmbH, Berlin-Spandau, in vielen Fällen gewissermaßen daran beteiligt, dass mit dem Umlegen eines Schalters lichtstarke Strahler den Platz erhellen. Denn Maraschnow ist ein Metallbearbeitungsbetrieb, der unter anderem Drehteile für Vakuumschaltröhren produziert. Die wiederum sind ein wesentlicher Bestandteil von Hochleistungsschaltern, wie sie in Umspannwerken, aber auch in großen Fußballarenen benötigt werden.

Die Maraschnow GmbH ist aus einer 1921 gegründeten Maschinenbaufirma hervorgegangen, bei der eigene Maschinen- und Geräteentwicklungen im Vordergrund standen. Seit der Übernahme 1987 durch den früheren Eigentümer Hans-Günter Stupak entwickelte sich das Unternehmen zum Hersteller von Werkstücken in größeren Serien, vor allem für die Maschinen- und Elektroindustrie.

In der Produktionshalle stehen 7 Fräs- und 11 Drehmaschinen, alle CNC-gesteuert. Ein leichtes Übergewicht hat der Drehsektor, wo im Wesentlichen Kupfer und nichtrostende Stähle (1.4571 oder umgangssprachlich V4A), aber auch Aluminium und Hightech-Kunststoffe zerspant werden. Maraschnow ist in der Lage, Teile von der Stange im Durchmesserbereich von 5 bis 42 mm und Futterteile bis zu 150 mm zu bearbeiten. Die Drehlänge liegt bei maximal 500 mm. Betriebsleiter Maik Littek erklärt: „Unser Maschinenpark ist mit den Anforderungen unserer Kunden gewachsen. Das Durchschnittsalter der Maschinen liegt bei etwa sechs Jahren. Besonders hohen Wert legen wir auf Qualität und hohe Verfügbarkeit. Aufgrund unserer Erfahrungen setzen wir daher im Drehbereich ausschließlich Maschinen ein, die von einer FANUC CNC gesteuert werden.“

Perfekt aufeinander abgestimmt: INDEX C-Baureihe mit FANUC CNC

Beim Gang durch die Produktionshalle fallen – neben den Drehzentren eines führenden japanischen Herstellers – zwei noch junge INDEX Produktionsdrehautomaten auf, eine C100 und C200. Auf die Frage, warum sich Maraschnow für diese Maschinen entschieden hat, antwortet Maik Littek: „Diese INDEX-Automaten waren für uns, was die angebotene Maschinentechnik anbelangt, schon seit längerer Zeit von Interesse. Doch ohne FANUC-Steuerungen konnten wir uns nicht zu einer solchen Investition entschließen. Da INDEX diese Produktionsdrehautomaten dann auch mit FANUC-Steuerung anbot, haben wir 2009 eine mit zwei Revolvern ausgestattete C200 geordert – und sind mit dieser Entscheidung sehr zufrieden.“

Darüber wiederum freut sich Michael Czudaj, INDEX-Verkaufsleiter Deutschland und Österreich. Denn Maraschnow ist ein typisches Beispiel, dass die Partnerschaft zwischen INDEX und FANUC ihr Ziel erreicht. Er begründet: „FANUC baut Steuerungen, die weltweit hohe Anerkennung genießen. Als wir uns 2007 zur Zusammenarbeit an der C-Maschinenreihe entschlossen haben, wollten wir uns den Markteintritt in Kundensegmente ermöglichen, die schwerpunktmäßig auf eine FANUC-CNC festgelegt sind. Am Beispiel Maraschnow wird diese positive Entwicklung deutlich.“

Beide Partner, INDEX und FANUC, haben intensiv zusammengearbeitet, um die High-end-CNC der Serie 31i auf die Hochleistungsproduktions-CNC-Drehautomaten C100 und C200 mit all ihren besonderen Eigenschaften wie die Plattenführung etc. abzustimmen. Da die Maschinen auf höchste Leistungsdichte, auf Stückzeit und Dynamik getrimmt sind, musste die CNC samt PMC (die integrierte SPS) bis ins Detail angepasst werden. Michael Czudaj erklärt: „Das ist gut gelungen. Wir haben damit eine Basisplattform geschaffen, die auch für die Zukunft Perspektiven bietet.“

Höchst zuverlässig und rasend schnell

Im Endeffekt ist es der Kunde, der über den Erfolg einer solchen Maschinen/Steuerungs-Kombination entscheidet. Das Urteil von Maik Littek ist eindeutig: „Wir wissen, was wir von FANUC hinsichtlich der Qualität und Zuverlässigkeit erwarten dürfen. Schließlich haben wir mit FANUC noch nie steuerungsbedingte Ausfälle erlebt. Doch auch ein Kompliment an INDEX: Ich war sehr angenehm überrascht, dass ein deutscher Hersteller und ein japanischer Steuerungshersteller so toll harmonieren. Wir haben festgestellt, dass auf den INDEX-Automaten bestimmte Teile etwa 10 bis 20 Prozent schneller von der Maschine kommen, bei gleichen Abläufen, also quasi gleichen Programmen. Da hat sich INDEX große Mühe gegeben, noch die letzten Millisekunden herauszukitzeln.“

Das Lob gebührt zu großen Teilen der Steuerungsabteilung und Softwareentwicklung bei INDEX, die seit dem Beginn der Zusammenarbeit mit FANUC auch für diese Steuerungen große Kompetenz aufgebaut hat. Die Supportleistungen sind jedenfalls eine Stärke, die der Anwender honoriert – im Fall Maraschnow mit dem Kauf einer zweiten Maschine, der etwas kleineren C100 mit drei Revolvern.

Für kleine Drehteile aus Kupfer und Edelstahl

Maik Littek und seine Mitarbeiter hatten sich 2009 für die FANUC-gesteuerte INDEX C200 entschieden, weil sie hinsichtlich Größe und bewegter Massen besser als alle anderen Angebote zum geplanten Werkstückspektrum passte. Ursprünglich wurden darauf kleine Drehteile aus Kupfer bearbeitet, bei denen es auf Schnelligkeit, aber auch auf sorgsamen Umgang mit den Werkstücken ankam. Insofern war es wichtig, dass die Teile nicht in einen Korb fallen, sondern von einem Greifer auf ein Band gelegt werden. Denn Kupfer ist weich und bekommt sehr schnell Druckstellen. „Dieser Auftrag ist inzwischen ausgelaufen“, verrät der Betriebsleiter. „Heute fertigen wir auf der C200 größtenteils V4A-Teile für den wissenschaftlichen Gerätebau. Denn mit dieser Maschine konnten wir Aufträge an Land ziehen, die wir früher technisch nicht fertigen konnten oder bei denen wir preislich nicht konkurrenzfähig waren.“

Um die Produktivität noch weiter zu verbessern, hat Maraschnow die beiden Kurzstangenlader durch zwei Stangenlademagazine der Firma Index ersetzt. Schließlich ist die C-Baureihe ein für das Stangendrehen konzipierter Maschinentyp, der durch eine massearme Konstruktion eine hohe Dynamik aufweist. Dazu trägt unter anderem das patentierte Führungssystem SingleSlide bei, mit dem die Achsen innerhalb kurzer Zeit mit 1 g Beschleunigung auf eine maximale Eilganggeschwindigkeit von 50 m beschleunigen können. SingleSlide ist der Name eines patentierten Systems mit großen Führungsflächen und speziellen Flachführungen, das der Maschine ein sehr gutes Schwingungs- bzw. Dämpfungsverhalten verleiht. Maik Littek spricht aus Erfahrung: „Die C200 ist so steif und schwingungsarm, dass wir nicht nur Kupfer, sondern auch Edelstähle problemlos bearbeiten können. Es ist sogar das Schlichten auf der Gegenspindel bei gleichzeitiger Schruppbearbeitung auf der Hauptspindel möglich, ohne dass Rattermarken entstehen. Das vibrationsarme Verhalten bewirkt außerdem längere Werkzeugstandzeiten.“

Maik Littek lobt auch die VDI-Aufnahmen der INDEX-Maschinen: „Sie sind klein, trotzdem steif und stabil. Da wir auf diesem Maschinen in der Regel Losgrößen zwischen 400 und 5000 Stück bearbeiten, müssen wir alle zwei, drei Tage umrüsten. Die VDI-Aufnahmen mit W-Verzahnung bieten uns den Vorteil, einen schnellen und präzisen Wechsel der Werkzeughalter beim Rüsten vornehmen sowie entsprechend vorrüsten zu können.“

Einfacher Umgang mit Drei-Revolver-Technik

Lediglich einen kleinen Fehler gesteht Maik Littek ein, der bei der Beschaffung der C200 unterlaufen sei. Er sagt: „Es war unsere erste Drehmaschine mit mehreren Revolvern. Darum beschlossen wir, uns mit zwei Revolvern zu begnügen, da uns das in der Handhabung und Programmierung einfacher erschien. Doch dann mussten wir feststellen, dass wir wohl falsch lagen und der Umgang mit einer INDEX Drei-Revolver-Maschine einfacher ist.“

Dies ist der Konzeption der drei Revolver in den Maschinen der C-Reihe begründet. Von den beiden oberen Revolvern ist einer der Hauptspindel und der andere fest der Gegenspindel zugeordnet. Der untere Revolver kann wahlweise beide Spindeln anfahren und da zum Einsatz kommen, wo er benötigt wird. Durch dieses System besteht zu keiner Zeit Kollisionsgefahr, was sich beim Programmieren positiv bemerkbar macht.

Das tut jedoch der Leistungsfähigkeit des Produktionsdrehautomaten keinen Abbruch, und die Erfahrungen mit der C200 waren insgesamt so gut, dass Maraschnow 2011 die bereits erwähnte zusätzliche C100 bestellte. Maik Littek achtete darauf, bei der in den Abmaßen kleineren, aber vom Aufbau her identischen C100, den „Fehler“ kein zweites Mal zu machen und entschied sich für die Ausführung mit drei Revolvern. Auch diesen weiteren Technologiesprung meisterten die Produktionsmitarbeiter in kurzer Zeit. „Im Endeffekt hat es wunderbar geklappt. Wir sind alle von der Leistungsfähigkeit dieser Maschine begeistert, die Teile in hoher Qualität und rasend schnellem Takt produziert.“

Die INDEX C100 hat sich in den vergangenen beiden Jahren bestens bewährt. Ihr Einsatz lohnt sich selbst für kleine Teile mit wenigen Bearbeitungen, die bei einer normalen Maschine verhältnismäßig lange dauern. Maik Littek argumentiert: „Gerade bei der kurzen Laufzeit kommt der Effekt des schnellen Synchronisierens und der hohen Beschleunigung besonders zum Tragen. Dadurch können wir Teile zu Preisen anbieten, die auch der Konkurrenz aus China standhalten.“